Mittwoch, 17. August 2011

Osloreise- eine abenteuerliche Woche




Zu guter Letzt meine Osloreise!

Nachdem ich in Trondheim neue Energien getankt hatte, machte ich mich am 21.Juli frohen Mutes mit dem Nachtzug nach Oslo auf. Ich kam wiedermal viel zu früh am Tag an: Punkt 7 Uhr auf dem Flughafen von Oslo. Meine Freundin Maxi, die ich aus dem Chor in Aachen kenne, kam aber erst gegen 11.30 Uhr mit dem Flugzeug aus Düsseldorf. Also prüfte ich den Flughafen in weiser Voraussicht schonmal auf seine Schlafqualitäten aus und kann ihm sehr gute Noten geben. Allerdings hatte ich mein ganzes Gepäck felsenfest um mich und mit mir verwickelt, die Sachen sollten ja nicht noch einmal geklaut werden.
Die Woche mit Maxi war abgesehen von den tragischen Ereignissen in Oslo wundervoll. Ich hatte mich sehr darauf gefreut mit ihr 5 Tage lang Oslo und Umgebung anzuschauen und so einen schönen Abschluss meiner Reisen zu haben und mich auch langsam wieder auf Deutschland zu freuen. Für den Freitagabend hatten wir eine Übernachtungsmöglichkeit via Couchsurfing gefunden und nach ein bisschen Wiedersehensfreude machten wir uns auf unseren Gastgeber zu treffen. Joakim war um die 30 und mehrere Jahre beim Militär gewesen, was sich am späteren Tag als sehr beruhigend herausstellen sollte, da er auf die Ereignisse vernünftig und vorausschauend reagierte. Die Nacht über ließ er uns in seinem Bett schlafen und schlief selber auf der Gästecouch. Witzig war aber, dass er anscheinend noch nie in seiner Wohnung gekocht hatte (er wohnte erst 10 Tage darin) und keinerlei Geschirr besaß. Als Maxi und ich abends dann Lachs zubereiteten, brachten wir das Küchenequipment ziemlich an seine Grenzen.

Wir stellten unsere Rucksäcke in seiner Wohnung im Westen (wohlhabenderer Teil) der Stadt ab und machten uns auf ins Zentrum. Dort kauften wir einen Oslo-Museumspass und entschieden uns deshalb glücklicherweise nicht zuerst das Stadtinnere zu besichtigen, sondern stattdessen das Munchmuseum. Ich hatte in Bergen schon an einer kurzen Führung über ihn teilgenommen und auch hier besorgten wir uns einen Audioguide (ein iPhone) um ein bisschen mehr über die Bilder zu erfahren.
Hier sieht man Maxi in Aktion im Museum:
Die Bilder von Munch fand ich sehr faszinierend, obwohl ich mir nie ein Bild von ihm aufhängen wollte. Mir war vorher nur seine "melancholische" Phase bekannt, aber nach seinem psychischen Zusammenbruch malte er auch wieder lebensbejahender:

Erstaunlich war auch, welche Macht die Frauen anscheinend über ihn hatten.
Für ihm gab es drei Stadien der Frau:
Zuerst die unschuldige Verführung, unter der der Mann leidet (man beachte die blutende Hand des Mannes im unterstehenden Bild). Dann die Frau in der Mitte ihres Lebens und ihrer ganzen Macht, Sexualität und Verführung bewusst und schließlich die verhärmte, alte Frau.
Während wir uns die Ausstellung anguckten, riefen dann Maxis Eltern an und meinten, dass in Oslo Bomben hochgegangen wären. Es war ein sehr irrealer Moment, weil wir in diesem Museumsraum standen, nichts bemerkt hatten und es so unwirklich klang. Wir hatten auf den Weg ins Museum die Bomben gehört, sie aber für ein Gewitter direkt über uns gehalten und uns noch gewundert, warum es keine Blitze gab.
Danach suchten wir erstmal mit den Audioguides/iphones im Internet nach genaueren Informationen. Nach und nach klingelten bei allen Touristen die Handys, weil besorgte Freunde anriefen. An der Information fragten wir nach wo die Bomben genau hochgegangen waren und überlegten, was wir tun könnten. Wir befanden uns im Ostteil der Stadt, mussten also irgendwie wieder in den Westteil zurück. Wir wussten nicht, ob das Stadtzentrum total abgesperrt war, wer es war und ob es weitere Attacken geben würde. Schließlich entschlossen wir uns doch die U-Bahn zu nehmen. Das war eine sehr gespenstische Angelegenheit, da wir zwischendurch die Bahn wechseln mussten, die Tunnel und jeder Ecke nach weiteren Bomben abgesucht wurden. Mitten am Tag in einer leeren U-Bahn zu sitzen, ist sehr gespenstisch.
Als wir sicher im Westteil der Stadt angekommen waren, besuchten wir noch kurz die Sprungschanze Holmenkollen von der Winterolympiade. Auch sie hatte geschlossen, da alle touristischen Anziehungspunkte vorsichtshalber gesperrt worden waren.

Wir wussten immer noch nicht, was richtig vor sich ging und das war eigentlich das Schlimmste.
Zwischendurch rief noch meine Mutter an um zu sagen, dass auf einer Insel geschossen wird, aber wir wussten ja gar nicht genau wo.
Als wir wieder bei unserem Gastgeber ankamen, guckten wir mehr oder weniger den ganzen Abend Nachrichten, netterweise auch BBC und CNN, damit wir etwas mehr verstanden.
Die Zeit, in der man gar nicht genau weiß, was um einen herum passiert und ob noch mehr Attentate zu erwarten sind, hat uns ziemlich mitgenommen. Auch wenn uns nichts passiert ist, hat uns das Ereignis doch sehr schockiert. Viele meiner Freunde kennen zumindest jemanden der verletzt ist und können die Ereignisse noch nicht ganz begreifen. Man muss sich das versuchen vorzustellen: Das schlimmste Ereignis seit dem 2. Weltkrieg. Rund 60 Jahre ohne größeren Mord und Totschlag und dann kommt ein Verrückter und richtet so viel Unheil an.
Aber, und das finde ich bewundernswert, in Norwegen herrscht eher der Gedanke, dass wenn ein einzelner Mensch soviel Unheil anrichten konnte, wieviel Gutes dann erst wir allezusammen bewirken können.

Ich habe unsere Erfahrung der Ereignisse so genau geschildert, weil ich euch allen auch nochmal danken wollte. Es hat mir sehr viel bedeutet, dass sich so viele gemeldet und in Sorge um mich waren. Es hat mich sehr gerührt, dass so viele in Gedanken bei uns waren. Auch wenn uns nichts passiert ist, waren wir doch sehr geschockt und die Fürsorge von euch hat mir sehr geholfen alles zu verarbeiten. Dankeschön.

Am späteren Abend rief ich dann Magnus (den vom Segeltrip) an und fragte ihn, ob wir zu ihm nach Lillehammer, wo er den Sommer über arbeitet, kommen könnten.
Glücklicherweise war er am Freitag noch in der Nähe in Oslo und nahm uns am nächsten Tag einfach mit. Morgens unternahmen Maxi und ich noch einen kleinen Spaziergang am See, weil wir die ständigen Nachrichten nicht mehr aushielten und es keine neuen Informationen gab.
Lillehammer liegt in der Mitte Norwegens am größten See des Landes und nach drei Stunden Fahrt waren wir angekommen. Ich werde Magnus immer für seine spontane Gastfreundschaft dankbar sein und er ist dafür immer in Aachen eingeladen :-)
Nach einem Nationalgericht (Tacos, das essen die Norweger ziemlich häufig) unternahmen wir noch einen "kleinen" Spaziergang von drei Stunden den Wasserfall hinauf und an der Sprungschanze entlang. Denn Lillehammer war auch einmal Ort der Winterfestspiele. Hier einige Eindrücke:
Ich und Troll:



Wasserfall:
Lillehammerund die Sprungschanze mit Magnus (Maxi und ich haben uns nicht auf den gelben Sitz getraut,es war einfach zu steil. Keine Ahnung wie das jemand freiwillig machen kann)
Am nächsten Morgen brachen wir nach einem guten Frühstück wieder in die Wildnis auf:
Magnus fuhr uns an einen See. Er ging eigentlich davon aus, dass uns da nichts weiter passieren könnte. Mit Karte um einen See herumzuwandern, sollte eigentlich kein Problem darstellen.
Nun ja, das Wetter war sowieso schon wechselhaft.... und irgendwann wollten wir näher zum See herunter. Dummerweise war das Sumpfgebiet. Wir gingen noch ein bisschen weiter, weil wir dachten es würde bald besser werden... doch kurz bevor wir Panik bekamen, mussten wir uns doch den Rückweg durchs Gestrüpp erkämpfen. Dazu existieren sehr lustige Videos, die ich bei Bedarf gerne mal persönlich zeige :-) Als wir, begleitet von Schafen und vielen, vielen Mücken, wieder auf den Weg kamen, waren wir bis zum Knie klitschnass.
Das hat uns aber nicht die gute Laune verdorben. Gegen 6 Uhr kamen wir auf der anderen Seeseite an und bauten das Zelt auf. Zu diesem Zeitpunkt fing es an zu regnen und hörte 6 Stunden nicht mehr auf. Wir versuchten es mit Humor, aber mitten in einer Regenwolke ist es wirklich sehr kalt. Es war nass und um uns herum nur noch Nebel. Allerdings dachten wir auch, dass es zu unhöflich wäre Magnus zu fragen, ob er uns abholt, da er am nächsten Tag arbeiten musste und wir auch nicht ganz leicht zu finden waren. Da Magnus jedoch ein sehr netter Mensch ist, schrieb er um 22.30 Uhr, ob wir nicht doch abgeholt werden wollten. Wir überlegten 20 sec lang und versicherten uns, dass wir den zweiten Tag auch geschafft hätten, es aber in nassen Klamotten nicht so viel Spaß machen würde und nahmen sein Angebot dankend an.
Hier mal eine Kostprobe von unserem Befinden:
Nachdem wir am nächsten Tag ausgeschlafen hatten (wir schliefen übrigens im Obergeschoss eines Hauses von Bekannten von Magnus, das augenscheinlich eine Rumpelkammer war), spazierten wir durch Lillehammer und am See entlang und bereiteten Magnus ein Dankeschönessen, dass er sich sehr verdient hatte. Dabei passierte uns eine weitere mittlere Katastrophe, als wir irrtümlich eine Plastikform als Kuchenform nahmen, da wir dachten sie wäre aus Silikon. Falls es jemanden interessiert, flüssiges Plastik lässt sich sehr gut aus dem Backofen kratzen.

Gegen abend machten wir uns mit dem Zug auf den Rückweg nach Oslo.
Ganz Lillehammer war auf den Beinen, da um 17 Uhr der Trauermarsch in Oslo, aber auch allen anderen Städten in Norwegen, stattfand.
In Oslo übernachteten wir diesmal im Ostteil der Stadt, bei dem Freund von Magnus, den ich auf dem Segeltrip kennengelernt hatte. Grønland ist der internationale Stadtteil von Oslo und auch sehr preiswert. Am späten Abend machten wir uns nochmal ins Zentrum zum Trauerplatz vor dem Dom auf. In der ganzen Stadt war an jede freie Stelle eine Rose gesteckt oder gelegt, doch dieser Platz war einfach unglaublich. Es war Mitternacht und der Platz war voller Menschen. Alle still in ihrer Trauer und Fassungslosigkeit. In der Kirche, die voll vom Wachsduft der Kerzen war, konnten wir eine Kerze anzünden und Worte der Trauer hinterlassen.
Es war wirklich gut, dass wir diese Möglichkeit hatten. Um die Ereignisse ein Stück weit zu verarbeiten und unsere Trauer kundzutun.
Anschließend gingen wir zu den beiden Orten wo die Bomben hochgegangen waren.
Auch hier am Absperrungsgitter ist alles voller Blumen gewesen:
Auf unserem Weg durch die Stadt gingen wir hinter einigen Polizisten her und ihnen wurde von jeder Ecke her applaudiert und Anerkennung gegeben. So etwas habe ich noch nie erlebt und der Zusammenhalt hat mich sehr gefreut.


Am letzten Tag zogen wir dann abschließend das volle Touristenprogramm durch, um teilweise aufzuholen, was wir in den letzten Tagen nicht sehen konnten.
Zuerst besuchten wir den Vigelandpark, einem Bildhauer um die Jahrhundertwende, der sich mit dem Kreislauf des Lebens beschäftigt hatte. Es sind alle möglichen Lebenssituationen geformt und der Park enthält Hunderte von Figuren.

Das Alter und die Sorge:

Hier ein Streit in der Ehe:
Aber auch die Liebe zwischen zwei Menschen
Die Liebe zwischen Vater und Kind:
Oder auch ein trotziges Kind:
Anschließend besuchten wir das Friedensnobelpreismuseum und machten uns auf zum Volksmuseum auf der Museumsinsel. In diesem Freilichtmuseum sind Häuser verschiedener Regionen und Zeiten aufgebaut.
Studenten "leben" auf den einzelnen Höfen und veranschaulichem dem Besucher das ursprüngliche Leben nach. Hier sieht man einen Studenten mit der Schlüsselfiedel (Nyckelharpa), dem norwegischen Nationalinstrument. Wir wurden in einer 50 Jahre Küche zum Kaffee eingeladen und dabei von anderen Touristen irrtümlich zum Personal gezählt. Außerdem tanzten wir zu Volksliedern und aßen Lefse.
Nach diesem Museum, was sehr empfehlenswert ist, machten wir eine kurze Bootstour auf die Inseln im Oslofjord. Es ist erstaunlich, dass man innerhalb einer Viertelstunde völlig weg vom Innenstadtlärm auf einer grünen Insel sein kann.
Um den Abend vergnüglich abzuschließen, besuchten wir die Icebar. Dieser Raum wird konstant auf -5°C gehalten, was auf Dauer doch recht kalt ist. In das Eis sind Zeichungen und Sprüche eingeritzt oder Figuren geformt:
Natürlich bekamen wir an der Bar auch einen Drink!

Zwischendurch war ich doch ein ganz kleines bisschen traurig Norwegen bald verlassen zu müssen..
Aber ein Essen beim Inder machte meinen Kummer wett.
Die Nacht verbrachten wir auf dem Flughafen, den ich ja schonmal auf seine Schlafqualitäten hin ausgetestet hatte. Wir schliefen überraschend gut. Als sich Maxi morgens in Richtung Düsseldorf verabschiedet hatte, musste ich allerdings noch 3 Stunden länger als geplant am Flughafen ausharren, weil am Zentralbahnhof ein verdächtiger Koffer entdeckt worden war und die Polizei ihre vermutlich erste Evakuierung des Bahnhofs unternahm.
So kam ich nicht nachmittags, sondern abends wieder in Trondheim an. Was ja auch keinen großen Unterschied macht bei 7 Stunden Fahrt. Das Wunderbare war, dass sich kein Passagier aufgeregt hat, sondern jeder ganz ruhig blieb.
Den darauffolgenden Tag verwendete ich zum Putzen und Packen meiner verbliebenen Sachen und am Freitag den 29. Juli zog ich dann los zum Flughafen.
Ein letzter Blick auf Steinan..
Und meine Habseligkeiten.

Die Zeit in Hannover war sehr schön und in Aachen lebe ich mich auch gut wieder ein, aber Norwegen vermisse ich doch sehr. Die Ruhe und Gelassenheit, die dieses Land schon im Vornherein auf mich ausstrahlte, hat sich durch meinen Aufenthalt nur bestätigt. Und das Wilde der Natur, das viele Wasser habe ich in Deutschland noch nicht wiederfinden können. Insgesamt kann ich Norwegen als Reiseziel also nur empfehlen. Durch meine Reisen habe ich zwar gemerkt, dass es nicht ganz das soziale Traumland ist, von dem viele Deutsche träumen. Doch die Norweger haben einen gelassenen, respektvollen Umgang miteinander und einen hohen Demokratiesinn, was die momentanen Ereignisse nur verdeutlichen.
Also, ich freue mich darauf, euch persönlich noch ein bisschen mehr über das halbe Jahr zu erzählen und euch wiederzusehen. Ansonsten war das fürs Erste mein letzter Blogeintrag. Bis zur nächsten Reise!
Eure Milena

Die schönen Seiten von Bergen und wie ich eine sehr großzügige Sachspende machte


Als Überleitung vom letzte Eintrag, muss ich euch die Zugtoilette zeigen, über die ich mich wiederholte Male gefreut habe, da ich mir mal in Ruhe Zähneputzen und mich unter fließendem Wasser zurecht machen konnte!

Wenn man um halb sieben Uhr morgens in einer Stadt ankommt, ist man verloren!
Außer dem Narvesen (eine Kioskkette) hatte nichts auf und die Stadt erwachte erst langsam. Also setzte ich mich auf den Platz neben der Touristeninformation und schaute den Ramschverkäufern zu wie sie ihre Stände aufstellten und ihre Verkaufsstrategien diskutierten.
Gegen 10 Uhr traf Sandra, ein Kommilitonin aus Trondheim, ein, mit der ich Bergen unsicher machen wollte. Wir beschlossen am ersten Tag erstmal durch Bergen zu spazieren und die Stadt etwas kennenzulernen.
Gegen Abend hockten wir uns an den Hafen und aßen unter den verwunderten Blicken der Einheimischen unser Essen aus dem Campingkocher. Ich glaube aber, dass wir von allen Touristen an diesem Abend die schönste Sicht auf Bergen hatten:

Am nächsten Morgen stiegen wir am Paradis aus und liefen zu Edvard Griegs Wohnort, etwas außerhalb von Bergen. Edvard Grieg ist DER Nationalkomponist Norwegens und hat mit seinen Kompositionen, in die er viele Volksweisen eingearbeitet hat, viel für das nationale Selbstverständnis der Norweger getan. Er lebte von 1843 bis 1907. Berühmt ist seine Vertonung des Peer Gynt, eines Dramas von Ibsen.
Das kennt jeder:

oder auch


Wir waren glücklicherweise etwas früher da und die Touristenströme kamen erst gegen Ende unseres Besuchs. Dies ist sein Wohnhaus:

Sandra und ich besuchten auch ein Lunchkonzert mit Stücken von Grieg im Konzertsaal. Durch das Fenster hat man Blick auf seine Komponistenhütte direkt am See.




Die Musik hat mich zu Tränen gerührt, so sehr ist sie mir zu Herzen gegangen. Ich habe gemerkt, wie sehr mir doch das Klavier und überhaupt die Beschäftigung mit Musik im letzten halben Jahr gefehlt hat. Ein guter Vorsatz für mich ist es deswegen in Aachen regelmäßig den Musikraum in meinem Wohnheim aufzusuchen! Und natürlich wieder regelmäßig in den Chor zu gehen ;-) Gegen Nachmittag besichtigten wir die erste Stabkirche in meinem Leben. Sie wurde erst kürzlich nach einem Brand wieder neu aufgebaut.


Das Innenleben, ganz aus Holz, hat mich sehr beeindruckt. Besonders die vielen Schnitzerein aus Holz waren so ganz anders, als alles was ich bisher als kirchlichen Innenraum kannte. Das Holz hat eine große Geborgenheit ausgestrahlt und war trotzdem sehr "wikingerwild " und urig.


Danach passierte etwas, worüber ich nicht großartig viel schreiben möchte, weil ich es vielen von euch schon persönlich erzählt habe. Wir hatten den Tag über unsere Rucksäcke im Gebüsch im Hinterhof eines Instituts der Universität versteckt. Leider wussten wir nicht, dass der Park dahinter von Drogenabhängigen bewohnt war. Die müssen uns beobachtet haben und haben uns unser ganzes Gepäck gestohlen. Zwei junge Männer wurden noch auf Fahrrädern mit dem Gepäck gesehen, konnten aber nicht gefasst werden. Sie warfen jedoch das Zelt ab, da es zu groß und unhandlich war. Naja, großartig drüber ärgern möchte ich mich nicht. In meinem Rucksack war nichts von allzu viel Wert, außer einem sehr guten Schlafsack, Campingkocher und dem Rucksack an sich. Über unsere Fahrlässigkeit mag man urteilen, allerdings bitte ich zu bedenken, welchen Eindruck ich in dem davorliegenden halben Jahr von Norwegen gewonnen hatte.
Ich konnte meine Sachen immer und überall lassen und war "die Gefahren" einer größeren Stadt wohl einfach nicht mehr gewohnt. Naja, ich hole tief Luft und sage es ist meine Sachspende für die nächsten drei Jahre. Drogenabhängigen kann man keinen Vorwurf machen, weil sie so sehr am Ende sind und wenigstens haben sie jetzt einen guten, warmen Schlafsack.

Mit etwas Galgenhumor haben wir uns am nächsten Tag nochmal mit unseren verbliebenden Habseligkeiten fotografieren lassen. Was meint ihr wie froh ich war, als ich wieder in Trondheim ankam und eine lange Hose anziehen konnte.
Der Abend, nachdem wir den Diebstahl entdeckt hatten, war noch sehr aufregend.
Mein erster Besuch bei der Polizei überhaupt, das Telefonat mit den Eltern und der Zeitpunkt als wir realisierten, dass wir keinen Schlafplatz haben. Alle Hostels waren ausgebucht und wir konnten entweder am Flughafen oder in einem teuren Hotel übernachten.
Glücklicherweise wurde unsere Emergency Anfrage über Couchsurfing gegen 21 Uhr beantwortet. Couchsurfing ist eine Homepage in der Leute ihre Couch für Backpacker und Touristen zum Schlafen anbieten. Das Ganze basiert sehr stark auf Vertrauen und ist eine super Sache. Wir fuhren also in die Wohnung einer Norwegerin, die bereits zwei Männer aus Israel bei sich beherbergte. Nach einer Dusche und einem guten Essen, fand ich meine Lebenskräfte wieder und fuhr mit den Dreien zurück in die Stadt um Bergen nochmal von einer freundlicheren Seite kennenzulernen. Wir verbrachten einen sehr lustigen Abend, waren im Kunstmuseum tanzen und ich verarbeitete langsam meinen Schock und mein angeschlagenes Vertrauen in Norwegen.
Den nächsten Vormittag besuchte ich mit Sandra noch einige Museen, da wir den Museumspass hatten und keine Lust weiter Trübsal zu blasen. Die Reise brachen wir aber ab. Stavanger läuft mir nicht davon und für mich war es sehr wichtig zurück nach Trondheim zu fahren und dort neue Energien zu tanken. Sandra flog zurück nach Deutschland, doch ich nahm den Nachtbus zurück "nach Hause". Als ich durch die Fjordlandschaft fuhr, heilte die Natur meine Verletztheit etwas und ich begann mich wieder an dem Land zu freuen.



Diesen Teil von Norwegen werde ich auf jeden Fall nochmal bereisen, er ist unglaublich schön.
Am nächsten Morgen war ich dann zurück in Trondheim...


(Kunstbild von Trondheim)

und konnte mich dank Kamilas Großzügigkeit, während ihrer Abwesenheit in ihrer Wohnung und ihrem Zimmer zu schlafen, erholen. Ich gewann neue Kraft und lieh mir einen großen Teil der Ausrüstung (danke Janne!!!!) für die letzte Woche in Norwegen zusammen.
(Blick aus Kamilas Zimmer)



Sonne, segeln, unbrauchbar sein


So, jetzt bleibe ich so lange auf meinem Stuhl sitzen, bis ich den Blog beendet habe.
Drei wunderschöne Ferienwochen sind noch zu berichten und mehrere Dankesworte an meine Freunde auszuprechen, die diese Ferien so unvergesslich gemacht haben!

Ich kam also am 7. Juli von den Lofoten zurück und machte mich am gleichen Abend weiter auf nach Oslo. In Fredrikstad, was etwas weiter südlich von Oslo an der Ostküste des Fjords liegt, wurde ich von Magnus, einem Freund aus Trondheim, abgeholt. Er hatte mir spontan angeboten an einem Segeltrip mit ihm und einem Freund, auch Magnus genannt, teilzunehmen.
Abgesehen von einem Tagestrip war ich noch nie vorher auf einem Segelboot gewesen und hatte keine Ahnung was mich erwartet. Auch über eine mögliche Seekrankheit hatte ich mir vorher keine Gedanken gemacht. Die Reise war einmalig schön. Mir ist durch diese Reisen dennoch aufgefallen, mit welchem unerschütterlichen Vertrauen ich an jede neue Situation gehe. Mit einer Sorglosigkeit, die manchmal an Naivität grenzt. Großartig viel dagegen machen kann ich aber nicht, ich musste nur ab und zu über meine sehr große Unbekümmertheit lachen. Ganz besonders wenn sie mich in unmögliche Situationen hineinmanövriert hatte.


Als ich nach einer kurzen Stippvisite bei Magnus Eltern zum Boot kam, war ich erstmal überrascht wie groß das Boot doch war:


Im Innenraum konnte man sogar aufrecht stehen! Ich schlief übrigens in dem kleinen Raum hinter der Tür.



Am ersten Abend fuhren wir vom Hafen zu einer kleinen Insel hinüber und ich wurde in die Geheimnisse des Segelns eingewiesen. Das ging ziemlich lustig zu, da wir beide keine Ahnung von dem englischen Vokabular hatten und ich des Öfteren angewiesen wurde das Dings doch um das Ding zu machen und fest zu ziehen oder zu lockern?! Bei der Einfahrt in den provisorischen Hafen war Magnus auch etwas angespannt, ganz im Gegensatz zu mir. Ich hatte ja keine Ahnung was schief gehen konnte und wartete sehr locker auf seine Anweisungen. Wir haben es aber doch ziemlich gut hinbekommen und abends noch eine kleine Wanderung auf der Insel unternommen.


Das Essen auf dem Bild sieht zwar nicht gerade verlockend aus, aber wir haben ziemlich gut die ganzen Tage über gegessen. Was auch daran lag, dass wir nach Schweden gesegelt sind und das Essen dort ja so günstig ist :-) Garnelen, Curryhühnchen und viel Gemüse war dabei.
Ich als gute Norwegerin bestand auch darauf, dass die Flagge gehisst wurde. Auf dem unterstehenden Foto ist neben der Flagge das Rettungsboot zu sehen, was mir auf der "offenen" See nicht gerade viel Vertrauen eingeflößt hat. So ein Segelboot kann ganz schön schief auf der See schippern.
Hier nochmal ein paar Fotos von der Insel, damit ihr auch seht, dass ich immer schön in der Natur war und die frische Luft genossen habe.






Es gab auch ziemlich viele Himbeeren auf der Insel, was mich auf viele Kindheitserinnerungen gebracht und zu langen Pausen gezwungen hat.


Am nächsten Tag durfte ich ab und zu das Steuer übernehmen. An meinem strahlenden Lächeln sieht man welche Führungsqualitäten ich besitze ;-)
Am Abend kam Magnus guter Kumpel Magnus (aus Oslo und bereits Lehrer) an Bord.
Ab diesem Zeitpunkt hatte ich nicht mehr viel anderes zu tun als dafür zu sorgen nicht seekrank zu werden. Während der Fahrt hinunter zu steigen, war für mich unmöglich. An Deck ging es mir aber ziemlich gut. Nur dass ich absolut nicht von Nutzen sein konnte, war sehr ungewohnt für mich. Aber das Wetter war gut und wann hat man schon mal die Gelegenheit ganze Tage aufs Meer und die Küste gucken zu können? Ich habe mich sehr wohlgefühlt.


Als wir am dritten Tag in Schweden ankamen, begrüßten mich erstmal die lange vermissten Pünktchen über den Vokalen. Die Norweger haben ja nur, dass ø oder å, aber kein ä,ö oder ü.
Ich war begeistert. Besonders von den Preisen.
Nachdem wir in Strömstad einkaufen waren, fuhren wir auf die Inselgruppe Koster hinüber.
Diese Insel ist wirklich bewohnt, allerdings augenscheinlich von eher wohlhabenden Menschen.
Ich saß vorne auf dem Boot und genoss es durch den Ort gelenkt zu werden.

Angelegt haben wir dann aber doch etwas außerhalb. In den Felsen waren keine vorgefertigten Haken angebracht wie in den letzten Nächten und daher haben die Jungs einige Zeit damit verbracht, Haken in den Fels zu schlagen und das Boot fest zu machen (es hat ihnen wohl auch Spaß gemacht). Währenddessen habe ich den Mond beobachtet, zum wiederholten Male etwas hilflos gefragt, ob ich helfen könnte, meine erste freilebende Robbe im Wasser gesehen (!) und versucht die Ziegen auf der Insel mit meinen Blicken einzuschüchtern.
Im Laufe des nächsten Tages wurde ich nach einer wunderschönen sonnigen Fahrt zur Fähre mit Ziel Norwegen gebracht. Ich wollte ja vier Tage später in Bergen sein und die Jungs wollten noch eine knappe Woche mit dem Boot weiter. Sie überlegen sich sogar bald ein eigenes Boot zu kaufen.

Die Fahrt zum Sandefjord betrug mehrere Stunden und war sehr interessant. Das Schiff war riesig und besaß mehrere Tax free shops. Bezeichnend war, dass mich nach einem Monat Wildnis die Aussicht vom Deck nicht mehr besonders anzog und ich lieber eine gute halbe Stunde im Tax free shop zwischen Parfums und Cremes verbrachte und mich an den Wohlgerüchen erfreute. Danach zog ich es auch vor meine Pommes windgeschützt im Restaurant zu essen. Das ist sehr ungewöhnlich, normalerweise würde ich jede freie Minute, die ich in der Nähe des Meeres bin, dazu nutzen ihm möglichst nahe zu kommen. Aber nach der ganzen Wildnis freut man sich doch ab und zu über den Luxus, den die Menschen normalerweise zu bieten haben.

Als ich um 20 Uhr im Sandefjord ankam, hielt mich nicht vieles an diesem Ort und ich stakste schnurstracks von den nicht nur leicht angetrunkenen Norwegern (Duty free shops!) weg, dem Bahnhof entgegen. Um 22.30 Uhr erreichte ich Tønsberg und mir wurde bewusst, dass ich mich nicht mehr auf den Lofoten, sondern in einer Stadt befand und mein Zelt nicht einfach irgendwo aufstellen konnte, sondern durchaus erstmal ein ganzes Stückchen laufen müsste um ein Plätzchen zu finden. Zudem wurde mir bewusst, dass es an der Südküste auch keine Mitternachtssonne gab und ich innerhalb der nächsten Stunde einen Schlafplatz gefunden haben sollte.
Was macht man da?
Richtig, erstmal den Hausberg besteigen, um eine Übersicht über die Stadt zu gewinnen.
Mein Glück war, dass genau an dieser Stelle ein Festival aufgebaut wurde. Der Organisator erlaubte mir mein Zelt bei ihnen aufzustellen, solange ich am nächsten Tag um 9 Uhr verschwunden wäre. So ließ ich mich zwischen Gestalten nieder, die zwar sehr nett waren, denen ich nachts in Hannover aber lieber nicht in die Augen gesehen hätte.


Am nächsten Morgen stapfte ich zur Touristeninformation. Durfte mich in dem wunderschönen hellen, sauberen Bad zurecht machen und wurde mit Informationen versorgt. Als ich gegen 11 Uhr einen Campingplatz am Meer erreichte, konnte ich mein Glück über den Luxus gar nicht fassen.

Ich habe das Waschbecken, durch das ich meine Anziehsachen gezogen habe, aus lauter Freude mal fotografiert.
Nachdem ich mich wieder menschlich fühlte, nahm ich auf einen Tipp von den Magnusen hin den Bus zum Welt Ende (Verdens Ende).
Das Ende der Welt ist gar nicht so schlecht. Wenn mich von nun an jemand dahin wünschen sollte, danke ich ihm mit einem strahlenden Lächeln.


Ich verbrachte den Tag mit sonnen, lesen und schreiben und einer Gedenkminute an die armen Fischerfamilien, die manchmal so sehnsüchtig auf ihre Männer warten mussten.
Das besonders Schöne an diesem Küstenabschnitt ist, dass er behindertengerecht ist. Es gibt eine extra Plattform, rollstuhlgeeignet, zum Fischen und auch eine Möglichkeit mit Halterungen zum Baden.


Den nächsten Tag verbrachte ich auch wieder am Strand. Abends ging es dann, natürlich wieder mit dem Nachtzug, nach Bergen!